Auferstehung - was ist das?

  Mit der Auferstehung Jesu steht und fällt der christliche Glaube. Wenn Jesus von den Toten auferstanden ist, dann ist das Evangelium von Jesus Christus die frohe Botschaft, die uns Leben verheißt! Jesu Auferstehung macht sein Kreuz zu einem Siegeszeichen! Wenn Jesus aber nicht von den Toten auferstanden ist, dann ist das Evangelium wertlos! Denn dann endet die Geschichte von Jesus Christus mit seiner schmählichen Niederlage am Kreuz. Der Theologe Rudolf Bultmann hat geschrieben: “Wie kann man einem Menschen, der sich morgens elektrisch rasiert und dabei Radio hört zumuten, an die Auferstehung Jesu zu glauben?” Viele Menschen lehnen das Evangelium ab, weil sie die Berichte von der  Auferstehung Jesu für  verrückt oder eine reine Erfindung halten.

  Woran müssen wir glauben, um mit Paulus zu bekennen: “Nun aber ist Christus auferstanden!”? Das Problem liegt für moderne Menschen in der falsch verstandenen Gleichsetzung der Auferstehung Jesu mit der Wiederbelebung eines Toten wie Lazarus, des Freunds Jesu. Der war auch körperlich tot und wurde durch Gottes Kraft wieder lebendig. Er lebte noch eine Zeit lang, bis er wiederum körperlich starb, begraben wurde und verweste. Ist Jesu Auferstehung von dieser Art? Sicherlich nicht! Mit einem neu belebten Körper hätte er eine Zeit lang gelebt, wäre aber am Ende wieder gestorben; das hätte seinen endgültigen Tod nur verzögert. Wir glauben an den auferstandenen Jesus, aber nicht an den wiederbelebten Lazarus!

  Der Evangelist Lukas erzählt, dass die Jünger in der Begegnung mit dem Auferstandenen anfangs dachten, sie sähen einen Geist. Sie konnten Jesus nicht auf den ersten Blick erkennen. Johannes berichtet, dass der auferstandene Jesus den Jüngern in einem Zimmer begegnete, dessen Türen und Fenster verschlossen waren, und dass später die Jünger Jesus am See Tiberias zuerst nicht erkannten. Ein wiederbelebter Jesus wäre nicht in der Lage gewesen, durch Mauern zu gehen, und man hätte ihn ohne weiteres erkannt. Jesus war in diesen Begegnungen physisch präsent. Seine Erscheinung war nicht nur eine Vision, eine Einbildung der Jünger. Aber es bedurfte mehr als des Hinschauens, damit er erkennbar wurde für seine Jünger. Dieses “mehr” ist das Wirken des Heiligen Geistes, der es den Jüngern ermöglicht, den Auferstandenen “richtig” zu sehen.

            Das steht im Einklang mit dem Bericht, den Paulus uns von seiner Begegnung mit dem auferstandenen Jesus gibt. Paulus berichtet, dass er eine “Lichtgestalt” sah, in der er Jesus erkannte, und dass er Jesu Stimme hörte. Die Menschen, die ihn begleiteten, erkannten Jesus nicht und hörten auch die Worte nicht. Auch hier brauchte es mehr als bloße Sinneswahrnehmung, um den Auferstandenen zu erkennen. Auch hier ist es das Wirken des Heiligen Geistes. Die Menschen, die Jesus erkannten, beteten ihn an mit Worten wie der Jünger Thomas: “Mein Herr und mein Gott!” Wer den auferstandenen Jesus erkennt, erkennt, dass er Gott ist! Auch das erfordert das Wirken des Heiligen Geistes, denn von selbst erkennen wir nichts von Gott.

            Wenn wir sie also ernst nehmen, dann zeigen uns die Berichte des Evangeliums, dass der Auferstandene kein wiederbelebter Toter ist. Jesus begegnete seinen Jüngern mit einem Leib, der anders war als ein menschlicher Körper. Paulus spricht in 1 Kor 15 von einem geistlichen Leib. Wir müssen uns nicht den Kopf darüber zerbrechen, was genau das ist, aber so viel ist klar: Weil es ein geistlicher Leib war, erkannten ihn die Jünger nur mit Hilfe des Heiligen Geistes. Die Auferstehung Jesu ist der Beginn einer ganz neuen Art des Lebens, etwas, das es vorher noch nicht gegeben hatte. Darum sagt Paulus: „Er ist der Erstling unter denen, die entschlafen sind.” Der Blick auf den Auferstandenen gibt den Jüngern einen Blick in eine ganz neue Dimension menschlichen Lebens: Leben nach dem Tod, das nicht mehr den Gesetzen der Biologie und Physik unterworfen ist.

            Jesu Leben hat durch die Auferstehung eine neue Qualität gewonnen. Weder Krankheit noch Tod, weder Schuld noch Sünde können dieses Leben beherrschen. Jesu Sieg über den Tod bedeutet nicht, dass unsere Körper in diesem Leben unsterblich werden wie der Fliegende Holländer, sondern dass Jesus eine neue Dimension des Lebens aufgestoßen hat, in der Menschen einen neuen, geistlichen Leib erhalten, der dem Tod nicht verfallen ist.  Einen Auferstandenen hatte es noch nie zuvor gegeben. Das erklärt die Verwirrung der Jünger Jesu, die ihm begegneten. Sie mussten erst einmal begreifen, was da geschehen war, das Neue verstehen, das sie sahen. Darum blieb Jesus in seiner Fürsorge für seine Jünger noch 40 Tage in ihrer Nähe und zeigte sich vielen von ihnen.

            Mit Jesu Auferstehung gewinnt menschliches Leben eine Zukunft, die es zuvor nicht hatte. Vorher gab es für alles ein definitives Ende; jetzt können wir sehen und begreifen, dass es eine Zukunft gibt, die über diese Welt und damit über unser Leben in dieser Welt hinausreicht. Jesus gewinnt diese neue Dimension menschlichen Lebens nicht nur für sich. Paulus schreibt an die Korinther: “Wir werden Ebenbilder des himmlischen Menschen sein”, d.h. Ebenbilder des auferstandenen Jesus, Menschen mit einem neuen, geistlichen Leib, die in diesem Leib einander erkennen können. Die neue Dimension des Lebens steht von nun an allen offen, die an Jesus Christus glauben. Sie ist unsere Zukunft, wenn wir unser Leben in dieser Welt Jesus anvertrauen und nach seinem Wort leben. Jesus ist der “Erstling” der Auferstandenen, alle, die an ihn glauben, werden ihm nachfolgen in die neue Dimension des Lebens.

            Das Leben in dieser neuen Dimension ist ein Leben, in dem der geistliche Leib des Menschen nicht mehr den Naturgesetzen unterworfen ist. Dieser Leib wird unsterblich sein und wird keine Unvollkommenheiten und Gebrechen haben. Diese neue Dimension des Lebens ermöglicht vollkommene Gemeinschaft der Menschen untereinander und vollkommene Gemeinschaft der Menschen mit ihrem Herrn und Heiland. In seiner Himmelfahrt zeichnet Jesus uns diesen Aspekt des neuen Lebens vor: Der neue, geistliche Leib kann in die Gemeinschaft mit Gott dem Vater kommen, in der jeder gewöhnliche menschliche Körper verbrennt. In der Himmelfahrt Jesu kehrt der mit Gott versöhnte Mensch zu Gott zurück - diese Gemeinschaft ist das letzte Ziel unseres Glaubens und die Hoffnung unseres Glaubens. Jesu Auferstehung zeigt uns, dass es diese Hoffnung wirklich gibt, dass sie nicht nur Träumerei ist. Darum steht und fällt unser Glaube mit der Auferstehung.

Jürgen von Hagen