Die Entstehung der Gemeinde

Die Gemeinde in Mülheim- Styrum ist eine über 100 - jährige „alte Dame". Die Anfänge gehen bis ins Jahr 1887 zurück. Damals sammelte Heinrich Becker, Bote des Evangelischen Brüdervereins Elberfeld, in einer Styrumer Wohnung Menschen um die Bibel. Nach einer Evangelisation 1891/1892 gründete der inzwischen angewachsene Kreis einen Männergesangverein, mietete einen Saal, in dem dann auch der erste Kindergottesdienst - die "Sonntagschule" - statt fand. Mit dem Ziel, für die weiter wachsende Versammlung später einen eigenen Raum zu bauen, gründete man 1898 den"Evangelischen Brüderverein in Oberstyrum" und kaufte dafür das heutige Gemeindegrundstück auf der Feldstraße.

Durch eine wachsende Entfremdung zur Evangelischen Kirche begannen die ersten eigenen Gottesdienste. Aus der Furcht, der auslaufende Mietvertrag könnte nicht erneuert werden, beschleunigte man die Baupläne für ein eigenes Gemeindehaus und die gemeindliche Selbständigkeit.

So kam es am 31.3.1902 zur gründung der "Freien evangelischen Gemeinde in Oberstyrum", die sich 1905 auch dem Bund Freier evangelischer Gemeinden anschloss. Im August des Jahres konnte man das eigene Gemeindehaus auf der Feldstraße beziehen. Wenig später folgte das Wohnhaus an der Straßenfront.

 

aus der Gemeinde - Chronik:

 "Die Brüderversammlung mit dem Beschluss zur Gründungeiner Freien evangelischen Gemeinde war am 31. März 1902.

  Die ersten gewählten Ältesten der neuen Gemeind sind die Brüder Achterberg, Bahr und Richter.

 Es können nur solche Personen Mitglieder der Gemeinde werden, die in Wort und Wandel bekennen, dass sie wieder geboren und lebendige Glieder am Leibe Christi sind sowie die Autorität der Bibel als einzige Richtschnur anerkennen!

  Stimmberechtigt bei den Verhandlungen in den Gemeindesitzungen sind nur die Brüder. Schwestern haben kein Stimmrecht(!).

        (aus der Festschrift zum 100-jährigen Bestehen der FeG MH-Styrum                              März/April 2002)

 

Gemeindehausbau

....Zum Bauen gehörte auch damals schon viel Geld. 27.611,59 Reichsmark waren aufzubringen. Es wurde zusammengelegt, was man irgend auftreiben konnte: Schmuck, Eheringe, Sparkassenbücher und dergleichen mehr. ....   Bereits am 3.8.1902 konnte der erste Gottesdienst im Versammlungshaus abgehalten werden, am 10.8. 1902 war die offizielle Einweihung. ...

Nach der Zerstörung des Saales im 2. Weltkrieg wurde er wieder aufgebaut und wird bis heute weiter von der Gemeinde benutzt.

   ( aus " 75 Jahre Freie evangelische Gemeinde Mülheim-Styrum" )

 

Die Entwicklung der Gemeinde

Die Gemeinde wuchs. Bei Zeltevangelisationen der Deutschen Zeltmission fanden viele Menschen zum Glauben an Jesus Christus. 1908 erreichte sie mit 138 Mitgliedern ihren höchsten Stand. Neben den sonntäglichen Gottesdiensten, den Bibel- und Gebetsstunden verfügte sie über große Chor-, Frauen- und Kindergruppen.

Es folgten ab 1920 Jahre der äußeren und inneren Unsicherheit. Die riesige Arbeitslosigkeit und die gewaltige Inflation machten auch vor der Gemeinde nicht Halt. Doch die Gemeinde überstand sowohl diese schweren Zeiten als auch den zweiten Weltkrieg. Nach Kriegsende konnten die nötigen Reperaturen am Gemeindehaus mit eigener Hand durchgeführt werden. Nach und nach normalisierte sich nicht nur der Alltag, sondern auch das Gemeindeleben.

       ( aus der Festschrift zum 100-jährigen Bestehen der FeG MH-Styrum März/April 2002)

 

 Arbeitsschwerpunkte der Gemeinde, damals und heute

Der "Evangelische Brüderverein in Oberstyrum" befasste sich mit geistlichen Dingen, z.B. Evangelisation und Jugendarbeit. Nach der Einführung des neuen bürgerlichen Gesetzbuches am 1.1.1900 musste das erworbene Grundstück auf den Namen eines eingetragenen Vereins mit festen Statuten und korporativen Rechten eingetragen werden-"VereinWohltätigkeit". Die Ziele des Vereins waren nach den Satzungen so festgelegt.

  • Unterstützung von Armen und Pflege von Kranken
  • Verbreitung gemeinnütziger Bildung
  • Pflege des Gesangs und der Musik
  • Bekämpfung der Trunksucht und Unsittlichkeit

Diese Ziele wollte man erreichen durch freiwillige Beiträge, Anstellung und Unterhaltung von geeigneten Personen für die Krankenpflege, belehrende Vorträge, eine gute Bibliothek und andere Mittel, die das leibliche und geistliche Wohl heben sollten.

Mitglied konnte aber nur der werden, der sich zum lebendigen Glauben an Jesus, den Sohn Gottes, bekannte und einen diesem Glauben entsprechenden Lebenswandel führte. Die Mitglieder des Evangelischen Brüdervereins traten so gut wie alle dem "Verein Wohltätigkeit" bei.

Früher war die Gemeinde zahlenmäßig größer, doch auch nach dem Krieg wirkte Gott. Nicht nur sonntags im Gottesdienst sondern in vielen verschiedenen Gruppen traf man sich: Gemeindebibelstunde, Hausgebetskreis, gemischter Chor, Frauenkreis, Jungschar, Sonntagsschule sind nur einige davon. In den siebziger Jahren wuchs durch missionarische Aktionen die Jugendarbeit. Um 1990 gab es kaum noch Jugendliche, gleichzeitig wurde auch der Kindergottesdienst in Styrum eingestellt.

Der Arbeitsschwerpunkt verlagerte sich auf besondere missionarische Veranstaltungen für Frauen ( Frauenfrühstück ) und Senioren (Seniorentreff 55plus ). Hinzu kamen besonder Gottesdienste ( Gästetage ) und Evangelisationen ( Pro Christ ). Zusätzlich zu dem Bibelgesprächskreis an einem Vormittag kamen Hauskreise. Mit ihnen erhofft sich die Gemeinde neben der Förderung der Gemeinschaft auch den Zuwachs durch Außenstehende.

Heute sind wir aber auch eine multi-kulurelle Gemeinde: jeden Sonntag und jeden Freitag treffen sich unsere afrikanischen Geschwister zum Gottesdienst und Lobpreis in englischer Sprache. Den Gästegottesdienst gestalten sie durch ihren Gesang mit. Auch treffen sich seit längerem tamilische Geschwister jeden Dienstagabend zum Gebet.

Bei allem Planen und Hoffen ist die Gemeinde, wie ihre Geschichte zeigt, auf das Wirken Gottes angewiesen. Ihm will sie weiter dienen, zu seiner Ehre und zum Wohl aller Menschen in- und außerhalb der Gemeinde. Alle Aufgaben können nämlich nur erfüllt werden, weil neben dem hauptberuflichen Pastor viele Mitglieder der Gemeinde in ihrer freien Zeit mitarbeiten.